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  Allgemeiner Deutscher Alano Klub e.V.

              Herzlich willkommen !
Unser Klub fördert die gesunde Zucht, Ausbildung und Erziehung des deutschen Alanos.Wir führen ein ordentliches Zuchtbuch mit Register und sind zuchtbuchführender Verein für den deutschen Alano.

Wir sind eine Gruppe von Alanobegeisterten und bilden unsere Alanos so aus, das wir sozialverträgliche Hunde erhalten und sie uns überall hin begleiten können.Was in unserem Klub ein wesentliches Zuchtmerkmal darstellt.Ein sozial unverträglicher Alano erhält bei uns keine Zuchterlaubnis,da wir der Meinung sind, das gerade ein im Schutzdienst gearbeiteter Hund unbedingt in der Unterordnung/ im Gehorsam stehen muss. Er muss jederzeit abrufbar sein und darf nicht eine ihn zufällig oder absichtlich berührende Person beissen.Solche Hunde werden im ADAK e.V. nicht zur Zucht verwendet es sei denn, es ist ein Erziehungsfehler der abtrainierbar ist.In unserer Zuchttauglichkeitsprüfung (ZTP) wird genau soviel Wert auf die Sozialverträglichkeit gelegt wie auf den Kampftrieb. Nebenbei bemerkt haben Alanos generell einen ausgeprägten Kampftrieb. Da muss man sich eigentlich keine Gedanken bei einer ZTP machen, um eine gute Erziehung und fundierte Ausbildung wohl eher. Darüber hinaus liebe Leser, darf nicht vergessen werden, das wir uns nicht in ein gemachtes Nest gesetzt haben. Es gibt, im Gegensatz zu anderen Vereinen, vom ADAK e.V. keinen Vorgängerverein oder Club, bei dem kaum noch Aufbauarbeit zu leisten wäre, wo bereits feste Strukturen vorhanden sind. Dieses war uns von Anfang an klar,auch wenn es nicht leicht sein wird,nehmen wir die Herausforderung gern an, zum Wohle unserer geliebten Alanos.

Mittlerweile gibt es bei uns die  ADAK - Züchter: " Vom Alpenblick"   und  " Vom Braunschweiger Land" die mit den  Zuchtzielen: Gesundheit / Wesen /L eistung und einer Morphologie die dem Standard entspricht,  bestens geprägte und  topveranlagte Welpen hervorbringen.  Dazu fühlen sich unsere Züchter nicht nur moralisch verpflichtet. Es ist vielmehr eine Herzensangelegenheit, ihre sorgfälltig aufgezogenen Welpen an  geeignete Alanoliebhaber zu vermitteln.

Wer mit seinem Alano im ADAK e.V. verantwortungsvoll züchten möchte,Wert auf eine gute Freundschaft / Kameradschaft legt und bereit ist sich an die Satzung und Ordnungen zu halten, ist bei uns herzlich willkommen.

Fragen Sie uns!

 

Die eingefahrenen Strukturen bestehender Vereine erachten wir als:  Nicht zukunftsweisend !
Deshalb freuen wir uns über engagierte  Molosserfreunde, die sich neu orientieren möchten. Gebrauchshundefreunde die nicht mehr den Hund mit Gebrauchshundeigenschaften finden,den Figuranten der nicht nur für die Punktevergabe einer Ring / IPO-Prüfung arbeitet, sondern weiß das ein realer Gebrauchshund / Schutzhund anders gearbeit wird. Denjenigen möchten wir Gelegenheit geben uns kennen zu lernen, um zu sehen ob wir uns verstehen. In einem Klub der mit seinen Alanos arbeitet, um die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit unter Beweis zu stellen und nicht zuletzt um viel  Spaß zu haben.

Alanohündin15 Monate. Rufname: Nikki

Der deutsche Alano ist von Natur aus sehr neu- und lernbegierig, wenn man sich ausreichend Zeit für ihn nimmt. So hängt das gute Benehmen Ihres Alanos in erster Linie von der Art des Umgangs mit ihm ab. Wussten Sie, dass nach Expertenmeinung drei Stunden Beschäftigung pro Tag für die Ausgeglichenheit des Hundes angebracht wären?

Obwohl dies ein sehr theoretischer Wert zu sein scheint.Wer seinen Alano mit sich zusammen leben lässt, kommt auf weit mehr als drei Stunden am Tag.

Aber auch wenn Sie das vielleicht nicht täglich schaffen - es ist gar nicht so schwer, für ein angenehmes Miteinander zu sorgen.Und falls man auch hier und da ein schlechtes Gewissen hat,wenn man mal den einen oder anderen Tag nicht die Zeit erübrigen kann,wird ein Alano es Ihnen nicht übel nehmen, da Sie ja sonst immer für Ihr vierbeiniges Familienmitglied da sind.

Aufmerksame junge Alanohündin

Unten: Junge Alanohündinnen aus dem A-Wurf-2010

vom Braunschweiger Land

  Verpaarung: Anja de la Guardia x Arnold von Baden

   

 Unten- Alte Alanohündin Wurfjahr 08/2000 

/////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////     Das Standardwerk über den deutschen Alano

Viel Spaß beim lesen.

Vom hoffnungsvollen Beginn der deutschen Alano-Bewegung 

Aus dem Buch: Der Alano und sein Söhne. Von Rudolf Sewerin 1994

Wenn Sie diesen Text gelesen haben, verstehen Sie, wieso ein Alano kein DC, PC oder CC sein kann und das ist auch gut so! F.Kletke/ 1.Vorsitzender ADAK e.V.

  I   Der historische Alano                        

a. Die brachyzephalen Rassen

Alle wildlebenden Caniden haben einen gestreckten Schädel, einen langen Fang. Sicher ist diese Kopfform für ihre Lebensart und Ernährung die richtige, sonst hätte die Natur eine andere erzeugt. Dennoch haben wir haben wir heute eine Menge Hunderassen, alle Nachkommen des Wolfes, die einen verkürzten, breiteren Fang besitzen, die sogenannten brachyzephalen (breitköpfigen) Rassen.

Offenbar hat der Mensch diese Rassen relativ früh im Laufe seines Zusammenlebens mit dem Hund, das nun schon ca. 13000 Jahre währt, so umgeformt. Warum ? Das lupoide (Wolfs-) Gebiß ist hervorragend zum Fangen der Beute geeignet, auch zum Beibringen schwerer Verletzungen, besonders beim mehrmaligen Zubeißen und Wiederloslassen. Zum Packen und Halten dagegen eignet sich das kürzere, breitere Gebiß der Brachyzephalen besser. Auch ist die reine Beißkraft, der Druck, höher, wie die Kneifzange fester zupackt als die lange Schnabel- oder Kombizange.

Der Gesichtsausdruck der breitköpfigen Hunde ist ebenfalls ganz anders als der des Hundes mit dem Wolfsgesicht. Er flößt eher Vertrauen ein, wirkt gutmütiger als der spitze Wolfsfang mit seinem gefährlichen Ausdruck. Besonders Frauen scheinen sich eher zu den Hunden mit dem kurzen, breiten Fang hingezogen zu fühlen.

Packen und Halten statt mehrmals Zustoßen und Verletzen war besonders da angesagt, wo Haustiere festgehlten werden mußten. Ein Schaf oder ein Schwein kann man zur Not auch als Mensch festhalten, ein Rind oder gar einen wehrhaften Stier nicht. Gerade dazu wurden die Hunde mit kurzem Fang besonders häufig verwendet. Aber auch bei den früher beliebten Schaukämpfen mit Bären und Bullen wurden diese Hunde weit häufiger verwendet, als die mit dem langen Fang.

Die Umgestaltung des Urhundes beschränkte sich aber nicht nur auf diese Äußerlichkeiten; auch der Charakter, das Wesen wurde durch Zucht verändert. Die breitmäuligen Hunde wurden von allem Anfang an auch auf ihre kämpferischen Eigenschaften hin verbessert und selektiert. Die Kampfhunde waren zu allen Zeiten und tief in die Vergangenheit hinein brachyzephal. Mut, Zuverlässigkeit, Hartnäckigkeit, Verbissenheit, Kampfeswillen, Durchhaltevermögen waren immer besonders Eigenschaften der Brachyzephalen, aber auch Sturheit und Dummheit, soweit diese Begriffe auf Hunde überhaupt anzuwenden sind. Die Breitmäuligen entfernten sich damit am weitesten vom spitzen, wölfischen, unsteten, unzuverlässigen Ur-Caniden, an ihnen zeigt sich der menschliche Einfluß am meisten.

Die Kynologie glaubte früher sehr oft an die "Wanderungstheorie"; man war der Meinung, daß bestimmte Rassetypen von einem einzigen Zentrum aus sich mittels Wanderungen ausdehnten. Besonders gerne bemühte man die Völkerwanderung und die Seidenstraße. Der Mastín Español, als ein Beispiel, stamme vom Tibet Mastiff ab und sei auf der Seidenstraße nach Westen gewandert. Oder der Dackel stamme aus dem alten Ägypten - hatte man doch auf altägyptischen Grabmalereien kurzläufige Hunde ausgemacht - und habe sich dann nach Europa ausgedehnt. Je geheimnisvoller und dunkler, besonders aber je älter die Vorfahren, desto besser.

Nun weiß man in der Kyologie aber auch, daß die Spezies Hund sich züchterisch viel schneller verändern läßt, als irgendein anderes vergleichbares Tier. Auch ohne unsere heutigen modernen Zuchtmethoden läßt sich der Hund sehr schnell in seiner Form verändern, größer und kleiner, kurz- oder langhaarig, rot oder schwarz züchten, gerade so wie man es will oder braucht. Denken Sie nur an die verhältnismäßig kurze Zeit, in der neue Rassen entstanden sind, die in wenigen Generationen äußerlich und auch ihrem Wesen nach sehr schnell homogen wurden. Es liegt deshalb die Annahme viel näher, daß Hunderassen und -schläge sich überall dort entwickelt haben, wo sie in dieser Form und Funktion gebraucht wurden. Bei allen schafzüchtenden Völkern gibt es Mastín-ähnliche Rassen; sie wurden an Ort und Stelle erzüchtet, nicht durch seidenstraßenwandernde Tibet-Mastiffs. Wie viele wären auch notwendig gewesen, um dadurch die einheimische Hundepopulation total zu verändern.

Die Zentren der Entstehung breitmäuliger Rassen können wir ziemlich genau umreißen. Im Südosten waren das sicher die Molosser des Epirus und des Nahen Ostens, wie sie uns auf den Stelen aus Ninive und von den Kriegszügen Alexanders des Großen überliefert sind. Denken wir nur an die Darstellung der Jagd mit Molossern aus der Zeit des Assyrerkönigs Assurbanipal. Diese auch in Roms Arenen gebräuchlichen Hunde der Tier- und Gladiatorenkämpfe sind uns in Wort und Bild bzw. Skulptur verläßlich überliefert.

In England hat sich offenbar mit den Rassen Mastiff und davon abgeleitet der Bulldogge ein weiteres Zentrum gebildet, aus dem sogar Nachschub für die Arenen Roms bezogen wurde. Ganz dicht daneben haben wir die als Vorläufer des heutigen Boxers bekannten Danziger und Brabanter "Bollenbeißer" des Mittelalters, die sicher mit dem englischen Nukleus in Verbindung standen. Im Süden und Südwesten schließlich hatten wir im westlichen Mittelmeerbecken mit dem Alano ein weiteres Zentrum. Inwieweit das alte Tibet ebenfalls Zentrum für die Zucht breitmäuliger, molossoider Hunde bildete, kann man heute mangels Aufzeichnungen aus diesem Kulturkreis nicht eindeutig belegen. Und natürlich hat es an den Nahtstellen zwischen diesen Zentren Austausch und gegenseitige Beeinflussung gegeben. Aber die These: "Alle Molosser, alle Brachyzephalen stammen von der Tibet-Dogge ab", ist sicher nicht haltbar.

b. Die Verbreitung des Alanos

Gaston Phoebus, ein jagdbesessener Adliger aus Südfrankreich, beschreibt im 15. Jahrhundert in seinem reich illustrierten Buch über die Jagd mehrere Typen des Alano, oder, wie er mittelfranzösisch heißt, des Alaunt. Nach seiner Schilderung müssen wir uns unter dem Alaunt einen übermittelgroßen, starken, sehr kampffreudigen Hund mit breitem, verkürztem Fang vorstellen, der einmal als recht hochläufiger, schneller, ausdauernder Packer für die Jagd auf wehrhaftes Wild (alaunt de venerie) Verwendung fand, andererseits aber als Metzgerhund Dienst tat, indem er die ungebärdigen Rinder auf dem Treck treiben half und sie bei Bedarf auch bändigte, dazu auch beim Schlachten half, indem er sie am Muffel festhielt, damit der Schlachter mit der Axt richtig treffen konnte (alaunt de boucherie).

Die Alanen waren ein germanischer Volksstamm, der im Zuge der Völkerwanderung nach Westen vordrang; jedoch ist die Herkunft des Wortes Alano von der Bezeichnung für diesen Volksstamm ethymologisch keineswegs sicher. Viel interessanter ist aber die Verbreitung des Wortes Alano im westlichen Mittelmeerraum. In Frankreich haben wir es in der Schreibweise Alaunt schon kennengelernt. In Spanien bezeichnet es eben denselben Hund, für den auch synonym die Begriffe presa und buldog español vorkommen. In Portugal finden wir den alâo in der Bedeutung des Bullenbeißers neben dem Wort fila oder besser câo de fila für den Hatzrüden, also mit der Betonung auf dem jagdlichen Element.

Am interessantesten ist die Lage in Italien. Dort existiert seit langer Zeit das Wort alano in der Bedeutung eines doggenartigen Hundes; heute dagegen hat das Wort die Bedeutung "Deutsche Dogge" angenommen und die unserem Alano vergleichbare Rasse heißt Cane Corso; daneben gibt es noch das Wort mastino, heute fast ausschließlich für den Mastino Napoletano gebräuchlich. Eine wie im Falle des italienischen alano zu beobachtende Bedeutungsänderung - ein Wort wird mit neuer Bedeutung, neuem Inhalt gefüllt - gibt es als sprachliches Phänomen häufig. - Auf jeden Fall gilt festzuhalten, daß das Wort alano, evtl. in anderer Lautung und Schreibung im gesamten westlichen Mittelmeerraum verbreitet war und teilweise auch heute noch ist.

Die europäischen Länder des westlichen Mittelmeerraumes bildeten früher noch weit mehr eine Einheit als heute. Zunächst gehören sie dem römischen Kulturkreis an, wenn dieser sich auch noch weiter erstreckte; geblieben ist aus dieser Zeit die Zugehörigkeit zur selben Sprachfamilie. Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch gehören zu den romanischen Sprachen, zur Romania, und sind untereinander sehr ähnlich.

Ebenfalls ein Erbe dieser Zeit ist die Zugehörigkeit zum katholischen Glauben. Die westliche Romania stand jahrhundertelang unter der Herrschaft der Araber. Sie wurden zwar 732 n. Chr. von Karl Martell bei Tours und Poitiers zurückgeschlagen, so daß sie in ihrem Eroberungsdrang gebremst waren, und auch Karl der Große hat sie bis nach Spanien hinein verfolgt, um die Grenzen des Reiches zu sichern. Dennoch waren sie bis zur Zeit des 1. Kreuzzuges 1096 in Südfrankreich präsent. Sizilien und Unteritalien verließen sie erst um 1100, als die Normannen sie endgültig vertrieben, in Spanien und Portugal herrschten sie über Teile des Landes noch weit länger. Granada, die letzte Bastion der Mauren in Spanien, fiel in ebendemselben Jahr 1492, in dem mit Columbus die ersten Alanos nach Amerika kamen. Zwar ist es nicht belegt, daß die Alanos etwas mit den Arabern zu tun hatten; aber viel wichtiger ist die Tatsache, daß unsere Alano-Ursprungsländer unter der einigenden Herrschaft der Araber weiterhin eine kulturelle, religiöse, sprachliche und, für uns heute fast unvorstellbar, auch politische Einheit bildeten. So herrschten die Spanier von ca. 1400 bis weit ins 18. Jahrhundert hinein in Neapel und Süditalien, waren Portugal und Spanien bis zum ausgehenden Mittelalter vereineint. Welche einigende Rolle bei diesen sehr seetüchtigen Völkern das Mittelmeer gespielt haben mag, kann man sich unschwer vorstellen. Zur See auch spielte sich die Kolonisierung Amerikas durch Spanien und Portugal ab, wobei mit Amerigo (daher der Name Amerika) Vespucci und Christobal Colón (Columbus) auch die seit alters sehr seeerfahrenen Italiener mitwirkten.

Warum sollten diese Völker nicht auch eine gemeinsame Hunderasse haben ?

c. Verwendung und Funktion des Alano 

Bei Gaston Phoebus erfahren wir bereits die beiden grundlegenden Funktionen des Alano - Jagd und Stiere. Der begeisterte Jäger Phoebus schildert den Einsatz des Alano auf der Sau- und Bärenjagd, wobei der Alano nicht wegen seiner Nase oder seines Stöberwillens eingesetzt wurde, sondern von Anfang an ausschließlich als Packer. Man muß sich diesen Jagdeinsatz in etwa so vorstellen wie die heutige Monteria in Spanien. Feinnasige Jagdhunde stöbern und suchen nach dem Wild, machen es hoch und hetzen es zusammen mit schnellen Windhunden zu Stande. Dann ist erstmal eine Pause erreicht, denn an wirklich wehrhaftes Wild wagen sich diese schnellen Verfolger nicht heran, auch nicht in der Meute; tun sie es doch, erfolgt ein unwahrscheinliches Gemetzel. Für diese harte Arbeit hat man eben die Alanos. Sie sind schnell genug, der Meute in einigem Abstand zu folgen, aber nicht so flink, daß sie selber das Stück zu Stande hetzen könnten. Teils mit eigenen Hundeführern treffen sie, oft in einer Koppel aus Rüde und Hündin, am "bail" ein und werfen sich als schwere Artillerie ins Getümmel. Sie packen und halten den Keiler, den Bär, so daß auch die anderen zufassen und der Jäger mit der kalten Waffe den Fangstoß geben kann.

War die Jagd den Adligen vorbehalten, so erfreute sich das Volk an einem ähnlichen Spektakel auf den Marktplätzen und den eigens zu diesem Zweck gebauten Arenen. Bären und auch Bullen wurden hier von Hunden gehetzt, Wetten abgeschlossen und dazu wieder Alanos verwendet. Es wäre völlig falsch, wollte man das von der Geschichte des Bullterriers ausgehend als typisch englische Schaukämpfe betrachten. Besonders das Bärenhetzen ist uns aus der Geschichte der Bordeauxdogge bekannt, die damals allerdings dem Alano weit ähnlicher sah als dem kranken, kaputtgezüchteten heutigen Hund.

Mit Rindern hatte es der Alano offenbar schon immer, besonders mit Bullen. So heißt auch der heutige Presa Mallorquín im balearischen Dialekt "ca de bou" - Ochsenhund. Rinder wurden früher nicht nur im Stall und auf eingefriedeten Weiden gehalten, sondern sich oft selbst überlassen. Dabei tendieren sie dazu halb zu verwildern, werden aufsässig und störrisch und alles andere als leicht zu handhaben. Dabei hilft der Ochsenhund - er sucht versprengte Tiere, bringt sie zur Herde zurück, treibt die Herde und nimmt sich auch das eine oder andere störrischer Tier vor. Mit seinem harten Griff an der empfindlichen Nase bändigt er selbst durchgehende Stiere.

Aber die Arbeit des Bullenbeißers ist noch eine andere. Beim Schlachten gab es früher noch keinen Schußapparat, die Rinder und Bullen wurden vielmehr mit einem starken Vorschlaghammer oder einer Axt durch einen Schlag auf die Stirm betäubt und dann gestochen. Stand der Bulle beim Schlag nicht ganz ruhig, war es durchaus möglich, daß er durch den Schmerz ganz wild wurde und an einen gezielten Schlag nicht mehr zu denken war. Außerdem bildete sich an der Stelle des Aufschlags ein ausgedehnter Bluterguß, der den Schädel auch gegen weitere Schläge abpufferte. Hielt nun ein guter Alano den Stier am Muffel, stand er ganz still, und der Metzger konnte seines Amtes walten.

Für die, die sich nun schon tierschutzmäßig ereifern, sei dazugesagt, daß diese Methode auch bei uns noch bis nach dem Krieg gang und gäbe war. Wer das jemals gesehen hat, wird zugeben, daß der Bulle genauso schnell fällt, wie wenn er mit dem heute vorgeschriebenen Schußapparat getötet wird. Auf den Kanaren gibt es heute noch den fahrenden Hausschlächter, dessen treuer Begleiter und unentbehrlicher Helfer sein Presa ist, Sohn des alten Alano.

Wann man gemerkt hatte, daß der Alano ausgezeichnete Wach- und Schutzhundeeigenschaften hatte, ist nicht bekannt. Spätestens aber mit der spanisch-portugiesischen Eroberung Amerikas ergab sich eine weitere Verwendungsmöglichkeit unseres vielseitigen Alanos.

Ein guter Wachhund ist zunächst einmal ein "wacher Hund", einer der aufpaßt und zu gegebener Zeit durch Bellen Fremde, etc. ankündigt. Häufig sind das sehr unsichere Hunde, die hinter jedem Strauch 10 Räuber wähnen und deshalb beim leisesten unbekannten Geräusch bellen. Insoweit ist ein Spitz ein ausgezeichneter Wachhund, auch ein nervenschwacher Dobermann, wenn bei diesen ängstlichen Hunden auch oft ein Fehlalarm zustande kommt. Soll der Wachhund auch sein Terrain verteidigen, braucht es einen anderen Hundetyp. Die selbstsicheren, nervenstarken, guten Verteidiger sind aber oft sehr schlechte Wachhunde, sie bellen nicht oder wenig, da sie sich selber nicht fürchten. So ein schlechter Wachhund ist im Grunde auch der Bullterrier, er wacht nach der Devise "Soll der doch erst mal kommen, dann sehen wir weiter". Oft lassen solche Hunde Eindringlinge auch herein, aber nicht mehr heraus. Ganz selten dagegen ist ein Hund, der anschlägt und im Ernstfall auch zufaßt. Der Alano gehörte dazu, wie wir aus zahlreichen Überlieferungen wissen. Die spanischen Konquistadoren nahmen den Alano von Spanien aus mit über den großen Teich; er erschien  ihnen unter den heimischen Hunderassen neben dem Windhund zum Jagen der nützlichste in der feindlichen Fremde.

Nun gab es solche Kriegshunde auch anderswo, wenn das auch heute aus Opportunismus anders dargestellt wird. Auch anderswo haben Molosser an vorderster Front gekämpft, gebissen, getötet. Da sie heute aber von der kynologisch unwissenden Presse als blutgierige Bestien angegriffen werden, fühlt man sich bemüßigt, diese blutige, aber wahre Vergangenheit zu schminken. Offenbar ist man der dümmlichen Ansicht, damit der betroffenen Rasse zu helfen. Es ist immer besser, bei der Wahrheit zu bleiben, auch wenn es schwierig ist, dem Laien alles begreiflich zu machen. Die Lüge, die Molosser hätten nur die Wagenburgen der zitternden Frauen und ängstlichen Kinderchen in der Etappe bewacht, hilft keinem weiter. Sie sind der dämliche Versuch, den angegriffenen Hunderassen ein Schäfchen-Image zu geben, das keiner ernsthaften Überprüfung standhält.

Aber lassen wir diese Rasse der Wagenburger und wenden wir uns wieder dem Alano und der geschichtlichen Wahrheit zu. Und da haben wir dank der sehr genauen Geschichtsschreibung im Zusammenhang mit der Conquista de las Indias, der Eroberung Amerikas durch die Spanier und Portugiesen, einen guten Durchblick. Die Kriegszüge nach Amerika wurden ja selten privat finanziert, sondern von der Krone, der auch immer ein Teil der Länder und besonders des begehrten Goldes zustand. Jede Amerika-Expedition hatte deshalb königliche Beamte dabei, die ganz genau aufschrieben, was da geschah. Die spanischen Eroberungen in Zentral- und Südamerika sind uns deshalb bis ins Detail in hunderten von Berichten überliefert.

Offenbar hatte es kaum einer Umstellung bedurft, um aus dem stier-, sau- und bärenpackenden Alano auch einen hervorragenden vierbeinigen Mitstreiter zu machen. Alanos bewachten die militärischen Camps gegen Indianerüberfälle, bewachten Gefangene, kämpften aber auch in der Schlacht mit. Im Museo de las Indias in Sevilla kann man die Panzer bewundern, die man ihnen zu diesem Zwecke gegen Indianerpfeile anfertigte; an der Größe sieht man auch einwandfrei, daß es sich um Hunde in der Größe unseres Alanos, keineswegs um die weit größeren Mastínes handelte, was Anhänger dieser Rasse auch gerne für sich in Anspruch nehmen. So lesen wir es auch bei den Geschichtsschreibern als fast schon stereotypen Satz: "... y soltaron los alanos" - und sie ließen die Alanos los.

Becerillo (kleiner Stier) und Leoncillo (Löwchen) waren zwei dieser Alanos, die sogar auf der Gehaltsliste standen. Sie bekamen das gleiche Salär wie ein Arquebusenschütze, ein Fachmann der leichten Artillerie. Dabei waren sie nicht nur sehr tatkräftig im Kampf gegen Indianer, sondern offenbar auch zu sanfteren Gangarten fähig. Becerillo wurde einer entlaufenen Indianerin nachgeschickt; er soll sie ohne zuzubeißen an der Hand ergriffen und zurückgeführt haben. Beide starben übrigens den Normaltod aller Alanos - vergiftete Indianerpfeile, die trotz eiserner Rüstung oder dicker Baumwollpanzer ihr Ziel erreichten.

Die meisten Konquistadoren waren verarmte Adlige aus der Extremadura. Aus Trujillo, Caceres und Badajoz, aus Mérida und Olivenza kamen sie, die berühmten Haudegen Pizarro, Cortes, Cabeza de Vaca, Alvarado, de Soto, Nuñez de Balboa und wie sie alle hießen. Sie alle waren segundones, Zweit- (oder Dritt-) geborene, die nach dem spanischen Erbrecht keinen Anteil am Erbe hatten, die leer ausgingen und nur eine Chance hatten - in die Dienste des Königs zu treten oder ihr Glück in den Kolonien zu versuchen. In der ohnehin schon armen Extremadura gab es besonders viele dieser armen Schlucker, eine Gesellschaftsschicht, zu der auch Cervantes' Don Quijote gehörte. Und in der Extremadura, dem wildreichsten Gebiet Spaniens noch heute, gab es Alanos überall. Auch heute noch werden bei den Monterias in der Extremadura schwere Packer eingesetzt, um die gestellten Keiler zu halten, Hunde, die wir als Presas schon in der Zucht eingesetzt haben. - Aber davon später mehr.

Die Alanos waren nicht nur bei den Indianern gefürchtet. Daß sie auch sonst recht grimmig waren, zeigt die spanische Sitte des aperrear, was man mit "den Hunden vorwerfen" übersetzen könnte. Die spanischen Hinrichtungssitten waren offenbar schon immer recht seltsam. So wurden noch zu Francos Zeiten Mörder und Terroristen mit der Garotte hingerichtet, einem Stahlhalsband, das man schön langsam zuzog, damit der Hinzurichtende auch etwas davon hatte. Dagegen muß fachgerechtes Hängen mit dem Tod durch Genickbruch direkt eine Wohltat sein. In den Kolonien kam es unter den unglaublichen Entbehrungen trotzenden Soldaten offenbar manchmal zu Unzucht mit Tieren. Auf Sodomie stand die Todesstrafe, die sofort vollstreckt wurde - durch die Alanos! Man warf Sodomisten den Hunden vor: aperrear. Die Alanos zerrissen sie. Auch gegenüber gefangenen Indianern, die nicht aussagen wollten, oder auch als reine Terrormaßnahme wurden solche Hinrichtungen durch Hunde vorgenommen.

Ganz in dieser Tradition standen später Filas und die Kubadoggen, die noch bei Hauck belegt sind. Auch diese Nachfolgerassen des Alanos wurden bei der Sklavenhaltung eingesetzt. Nachdem die Spanier festgestellt hatten, daß Indianer als Sklaven wenig taugten, weil sie lieber starben als zu arbeiten, wurden in großem Umfang Neger aus Afrika als Sklaven eingeführt. Gerade die Kubadogge war ein Hund der Sklavenhalter, und ich möchte nicht wissen, ob nicht mehr Schwarze als Rote von den Alanos getötet wurden. Der Fila wurde ebenfalls für diese blutigen Aufgaben eingesetzt, wenn er darüber hinaus auch noch zur Jagd diente. Auf den vorgeschobenen Farmen im Inland wurde er ganz sicher auch gegen Indianer eingesetzt, wie sein Vater, der Alano.

Bullenbeißer, Packer an Keiler und Bär, Indianer- und Negerkiller - alles Dinge, die es seit einiger Zeit kaum noch gibt ! Genau das war des Alanos Tod. Wie manch andere Rasse litt der Alano gewaltig unter seinem Funktionsverlust. Bullen werden heute im Stall gehalten und mit dem LKW zum Schlachthaus gebracht, wo man ihnen mit dem Schußapparat den Garaus macht. Die Stiere in Spanien werden duch moderne Stierzwinger in die Arenen geleitet, wo sie von den Toreros bei der Corrida getötet werden - Alanos sind hier arbeitslos. Sklaven gibt es auch nicht mehr, die Indianer sind kaum noch in der Lage, jemanden zu gefährden. Und selbst die Jagd auf wehrhaftes Wild wird heute mit starkkalibrigen Gewehren ausgeübt; wer unter unseren Jägern würde sich auch noch mit der blanken Waffe an Sau oder Bär wagen ?!

Tod des Alanos? Nun, auch andere Rassen hat man mit neuen Funktionen ausgestattet, hat sie "modernisiert". Wir werden weiter unten sehen, was man mit dem Indianerkiller heute anfangen kann. Auf jeden Fall gilt festzuhalten, daß der Alano als Rasse durch Verlust seiner Funktion stark gefährdet wurde, daß er deshalb als Rasse heute nicht mehr existiert. Hätten wir nicht seine Söhne, wäre er für ewig im Dunkel der Geschichte verschwunden. Überhaupt  dürfen wir uns den Alano nicht als Rasse im Sinne der modernen Kynologie vorstellen. Es gab ihn nie mit Ahnentafel, Zuchtbuch und Wurfabnahme, er wurde nie in unserem Sinne "reinrassig" gezüchtet. Dennoch gab es ihn als recht einheitlichen Hund mit gleichem Wesen und gleichen Aufgaben in mehreren Ländern, in denen wir heute noch seine Nachfolger, seine Söhne sehen.

 

 II   Die Söhne                                          

 A. In Spanien                            

a. Reste des Alano in Spanien

Noch vor gar nicht langer Zeit ist das Vorkommen des Alano in Spanien belegt. In der Arena von Las Ventas in Madrid, einer der größten der Welt, wurden Alanos paarweise gehalten. Zwar sah man sie nie in der Arena beim Stierkampf, aber hinter den Kulissen waren sie nahezu unentbehrlich. Die Stiere werden am Tage vor der Corrida angeliefert und im Toril, dem Stierzwinger, über Nacht gehalten. Der Stier hat fünf oder sechs Jahre seines Lebens in absoluter Freiheit bei seiner Herde gestanden. Mit unseren zahmen Hausbullen sind die toros de lidia nicht zu vergleichen. Sie erreichen zwar nur ca. 500 kg, sind aber außerordentlich wendig und äußerst reizbar. Viel länger als unsere Hunderassen sind sie auf Kampftrieb durchgezüchtet in jahrhundertelanger Selektion. Es liegt auf der Hand, daß solche Kämpfer sich nicht leicht lenken, führen oder gar mit ihresgleichen halten lassen, noch dazu weit weg von ihrer normalen Umgebung. Und zu diesem Zwecke waren die Alanos da. Der Rüde griff sich den Stier von vorne am Muffel, die Hündin ging meist von hinten ans Werk, wenn es darum ging, den Stier vorwärts zu bringen oder vom Randalieren abzuhalten. In derselben Funktion sollen Alanos auch noch nach dem spanischen Bürgerkrieg in Stierzucht-Fincas in der Provinz Salamanca gehalten worden sein.

Das letzte Alano-Paar soll vor ca. 25 Jahren mit der Einführung moderner Stierschleusen in Las Ventas außer Dienst gestellt worden sein. Heute wird das alles ohne Hunde gemacht, und auch auf den Farmen der Stierzüchter ist uns kein Alano mehr begegnet.

In den rehalas oder jaurias, den Hundemeuten für die spanische Monteria, wurden traditionsgemäß immer Alanos gehalten. Bei der Monteria wird ein ganzer Bergzug mit Schützen abgestellt, und dann heißt es "Hunde los". Eine rehala besteht zum größten Teil aus schnellen Podenco Ibéricos, ca. 65 cm hohen, rauhhaarigen, weißen oder cremefarbenen Hetzhunden, die nicht zu den Windhunden, sondern zu den Laufhunden auf Großwild gehören. Sie stöbern, machen Wild hoch und hetzen. Dann gibt es Kreuzungen von Podencos mit Mastines, die nicht ganz so schnell aber besser im Nahkampf sind. Und dann gibt es einige wenige Alanos, die schließlich das gestellte Wild packen. Es stellen sich ohnehin nur Rot- und Schwarzwild, beide sehr gefährlich und wehrhaft. Schwaches Rotwild und Rehwild, auch Mufflon oder Gemsen, fliehen weiter. Der Meuteführer oder früher der Alanoführer gibt mit der kalten Waffe den Fangstoß, keine leichte Sache, wenn drei Dutzend Hunde am Stück hängen.

Die rehalas gehörten früher zu jeder großen Jagd-Finca dazu. Besonders der jagdbegeisterte Adel unterhielt selber Meuten mit allen dazugehörigen Hunderassen. Heute findet man das nur noch äußerst selten, denn Hundehaltung dieses Ausmaßes ist teuer, wenn man bedenkt, daß man nur im Herbst und Winter jagt. Deshalb liegt heute die Haltung der Meuten bei privat tätigen Rehaleros, die aus Kostengründen den größten Teil der Hunde nach der Jagdsaison freilassen. Vor dem Beginn der Jagdsaison im Herbst fangen sie sich irgendwo wieder brauchbar aussehende Hunde ein oder besuchen die wenigen spanischen Tierheime, um sich dort nach geeignetem Material umzusehen. Die Hunde werden unter unbeschreiblichen Bedingungen an 30 cm langen Ketten gehalten, damit man mehr von ihnen auf engstem Raum halten kann, und dann mit einem Lieferwagen (40 bis 50 Hunde in einem Ford Transit oder Mercedes 207) zum Einsatzort gekarrt.

Man stelle sich in diesem Auto einen Alano vor! Ich bin sicher, daß einige Hunde nicht heil angekommen wären.... Wegen dieser bekannten Unverträglichkeit sind Alanos als Meutehunde nur im Besitz derer möglich, die die Meuten auf den eigenen Ländereien einsetzen, dafür je Koppel Alano eigens Hundeführer stellen können, und die Meuten das ganze Jahr über unterhalten und getrennt voneinander unterbringen können. Bei den degenerierten Meuten im heutigen Monteriaunwesen ist für den Alano kein Platz mehr.

Das Fehlen guter Packer merken die Monteros sehr deutlich. In jüngster Zeit hat man wieder Packer verwendet, denn ganz ohne geht es nicht. Man versucht, die Hunde getrennt von den anderen zu befördern und einzusetzen. Verwendet werden Dogos (Anmerkung: Dogo Argentinos) und Presa Canarios, manchmal aber auch Mischlinge mit Boxern etc. Die letzten Alanos sollen noch nach dem Krieg in den 40er und 50er Jahren in der Nähe von Miravete in der Extremadura in Meuten verwendet worden sein.

Eine Besonderheit ist in diesem Zusammenhang die sogenannte Ronda Extremeña. Dabei reitet man nachts, weil besonders Sauen in der Nacht besser halten und nicht sofort die Flucht ergreifen. Man jagt mit wenigen Hunden und in einer kleinen Gruppe. Mit den Pferden ist man den hetzenden Hunden direkt auf den Fersen. Alanos werden hierbei vom Pferd aus an der Koppel geführt und wieder zum Packen eingesetzt. Der bekannte spanische Jagdschriftsteller Covarsi berichtet ausführlich über diese Jagdart mit Alanos.

Heute wird immer wieder vom Auftreten von Alanos berichtet. In irgendeinem vergessenen Tal von Salamanca, Burgos oder Trujillo soll sich angeblich ein Stamm Alanos aus früheren Zeiten erhalten haben. Ein Tierarzt hat sich in Madrid in der Vergangenheit immer wieder damit interessant gemacht, hat diese Hunde sogar unter dem Namen Alano gezüchtet. Wir wissen aber inzwischen verbürgt, daß es sich bei seinen "Alanos" um Boxermischlinge handelt, Hunde um die 25 kg !

In Carranza, an der Grenze der Provinz Bilbao mit Burgos, gibt es einen Hundeschlag, der beim Zusammentreiben der dort halbwild im Gebirge weidenden Rinder hilft. Diese Hunde aus Carranza haben sicher noch Alano-Blut, sind aber in ihrer Mehrheit heute so klein und typlos, daß man sie nur mit größter Vorsicht als Söhne unseres Alanos bezeichnen könnte. Richtiger wäre es, würde man sie als Produkte eines illegitimen Seitensprungs bezeichnen. Ableger dieser Hunde gibt es erstaunlicherweise in der entgegengesetzten Ecke Spaniens, in Palma del Condado in der Provinz Huelva, wo wir sogar einige sehr gute Exemplare sahen, die eher dem Jagdtyp als dem Bullenbeißer entsprachen und physisch sehr gut dastanden.

Casto Diaz, der lange in seinen Meuten mit Bullterriern experimentiert hatte, die ihm aber zu viele andere Hunde beschädigten, hat nach einem ersten Versuch mit Hunden aus Carranza jetzt Nachkommen dieser Hunde aus Huelva im Einsatz, mit denen er zufrieden ist. Wir sind allerdings klar der Meinung, daß hier noch viel Substanz und Größe fehlt, denn die von uns gesehenen Exemplare hatten knapp Staffordgröße.

b. Der Presa Canario (PC) 

Die nach Amerika aufbrechenden Konquistadoren hatten mit ihren Karavellen zwar seetüchtige Schiffe, die jedoch sehr langsam waren. Der Törn über den Atlantik dauerte drei Monate, mangelnde Vorräte, faulendes Wasser und in der Folge Skorbut waren angesagt. Aus diesem Grunde segelte man nicht von Europa direkt nach Mexiko oder Cuba, sondern versuchte erst einmal an der afrikanischen Küste entlang sich vorzutasten, bevor man zum großen Sprung ansetzte. Außerdem nutzte man jede mögliche Atlantikinsel, um Vorräte zu ergänzen, Wasser zu fassen und noch einmal Kräfte zu sammeln.

Eine bevorzugte Strecke war die Südroute über die Kanaren nach Nordbrasilien und Venezuela. Die Kanaren waren dabei die letzte Station, bevor man sich den sicheren Passatwinden anvertraute. Solche Hafenaufenthalte waren nicht mit der heutigen Hektik zu vergleichen, man mußte sich Zeit nehmen. Dabei gingen nicht nur die Menschen von Bord, auch die Tiere, die man mitführte, wurden noch einmal auf die Weide geschickt. Und auch die Hunde gingen noch einmal an Land ...

Offenbar sind einige dort geblieben. Denn sonst hätten wir nicht mit dem PC einen Hund, der dem alten ursprünglichen Alano wohl am nächsten kommt. Größe, Gewicht, Wesen, Verwendung stimmen sehr genau. Erfreulicherweise existiert die Rasse in sicher 500 bis 600 Exemplaren mit einem relativ stabilen Gen-Pool. Verwendung finden die PC hauptsächlich als Wachhunde der Bananenplantagen, aber auch bei den sehr beliebten Hundekämpfen, die noch bis in die jüngste Zeit existierten. Dazu kommt die Sonderfunktion als Hund des Matarife, des fahrenden Schlachters, dem der Hund die Bullen und Rinder beim Schlachten hält. Erstaunlich ist das schon: gerade hier wird der Hund noch in seiner wohl ursprünglichsten Funktion gehalten und verwendet. Aber keine Angst - Spanien als Mitglied der EG wird sicher schon bald die allgemeine Verwendung des Bolzenschußapparates aus tierschutzgerechter deutscher Produktion zwingend vorschreiben....

Der Hundekampf auf den Kanaren hängt sicher mit der Vorliebe der Guanchen, der Ureinwohner, für kriegerisches Tun zusammen. Die Spanier hatten im 14. und 15. Jahrhundert ihre liebe Not, die Guanchen zu unterwerfen. Auch heute, längst mit Festlandspaniern vermischt, halten sich die Insulaner für etwas ganz anderes und wollen am liebsten ihre totale Unabhängigkeit vom Festland - überall liest man  "Godos fuera" - "Goten (Festlandspanier) raus!" Kein Wunder also, daß die Kanaren den PC für sich als eigene Rasse beanspruchen und nichts vom Alano und seinem Einfluß wissen wollen. Nationale Bestrebungen stehen ja nicht nur hier einer sachlichen modernen Kynologie entgegen.

Die Guanchen lieben martialische Künste; so erfreut sich die lucha canaria, eine eigene Art von Ringkampf, größter Beliebtheit, wovon stundenlange Fernsehübertragungen Zeugnis ablegen. Auch den Hundekampf lieben sie, jedoch hat er ganz andere Regeln als der amerikanisch-holländische. Man kennt grundsätzlich die dämlichen Gewichtsklasseneinteilung nicht. Dem Guanchen, übrigens auch dem Italiener, ist es vollkommen gleich, wie schwer sein Hund oder der andere ist. Ihn interessiert lediglich, wer gewinnt, wer stärker ist. Ob der Hund in der 17,35 kg-Klasse antritt, spielt keine Rolle. Wenn man bedenkt, welche Probleme mit dünnen Knochen und mickrigen Zähnen uns die Gewichtsbeachtung beim Pit Bull beschert hat, dann kann man sich diesem Argument nicht verschließen. Und mit dem dämlichen Argument der "Sportlichkeit" soll man bitte nicht kommen. Der Hundekampf ist kein Boxsport, er ist überhaupt kein Sport.

Auf den Kanaren wird auch nicht gewettet, und die Besitzer dürfen während der Auseinandersetzung nicht auf ihre Hunde einwirken. Bei sehr gefährlichen Griffen, z.B. am Lauf, wird getrennt. Sieht man deutlich, wer stärker ist, wird abgebrochen, so daß Todesfälle also absolut selten sind. Die Begeisterung für solche Gefechte ist so groß, daß am Strand unter Umständen Hunderte in aller Öffentlichkeit zuschauen. Da die ausländischen Touristen aber bereits erkannt haben, welche bösen Taten die Eingeborenen da tun, ist die Sache heute weit seltener geworden und findet meist unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt.

Die Rasse PC steht noch vor ihrer offiziellen Anerkennung durch die FCI. Seit einigen Jahren hat sich der Anerkennungsmodus geändert, und heute ist es notwendig, zuerst einmal die vorläufige Anerkennung durch den nationalen Dachverband bei der FCI zu beantragen. Die endgültige Anerkennung erfolgt erst nach mindestens fünf Generationen, also ca. 10 Jahren, unter Vorlegung sehr detailierter Nachweise, die ein kynologisches Entwicklungsland nicht ohne weiteres beibringen kann. Aber bis dato ist noch nicht einmal die vorläufige Anerkennung beantragt. Dennoch geben der spanische und auch der österreichische nationale Dachverband bereits FCI-Ahnentafeln für den PC heraus. Richtigerweise, denn wie soll man eine Rasse sonst weiterzüchten?

Etliche PC wurden auf das spanische Festland exportiert, so daß heute in Spanien selbst eine gute Population vorhanden ist, auf die man züchterisch zurückgreifen kann. Zuchtaustausch mit den Kanaren ist fast unmöglich, wie in allen diesen Ländern, weil man noch nicht wirklich international denkt. Man kann Hunde kaufen, falls sie nicht als Familienhunde gehalten werden. Großzüchter sind nicht vorhanden, auf Wesen und Gesundheit wird kaum Wert gelegt. Dafür aber ist etwas ganz Wichtiges geschehen - die moderne Show-Kynologie amerikanisch-englischer Prägung hat auf den Kanaren Einzug gehalten. Auf den Ausstellungen sieht man dandyhafte Handler, die an idiotischen Leinen und Halsbändern die Hunde krampfhaft zurechtstellen, ihnen das Fell mit allerlei Wässerchen und Ölen einstreichen. Die neueste Kreide aus England ist wichtiger als ein gutes Wesen. So schnell geht das!

c. Der Presa Mallorquín (PM)

Hat sich auf den Kanaren der Presa Canario erhalten, so ist sein Pendant auf den Balearen der Presa Mallorquín (PM), auch Ca de Bou (Ochsenhund) genannt, was seine Tätigkeit als Treiber und Bändiger von Rindern schön beschreibt. Warum immer auf den Inseln? Nun, in einer Insellage ist die Gefahr der Vermischung mit anderen Rassen geringer, die Chance auf Reinerhaltung der Rasse noch besser, als in einer einsamen Landschaft oder in jedem legendären Gebirgstal, wo wir alle noch hoffen, die reine Urform unserer jeweiligen Rassen vorzufinden.

Die Anfänge des PM als Alano-Nachkomme liegen im Dunkel. Gesichert ist, daß die Rasse unter der Herrschaft der Engländer auf den Balearen (auf Menorca bis 1802, auf den übrigen Inseln teilweise noch länger) eine starke Durchmischung mit Bulldogblut erfuhr, den die Engländer mitsamt der Begeisterung für Hundekämpfe auf den Balearen einführten. Der damalige Bulldog ist der, den wir auch im Bullterrier und im Stafford als Ahnen haben, nicht zu vverwechseln mit der heutigen Bulldogge, ein Zerrbild des ehemaligen Bulldogs.

Wir besitzen Material, auch Fotos aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg, die uns einen PM von recht großen Ausmaßen zeigen. Diese Hunde wurden noch damals bei den Kühen und im Hundekampf eingesetzt. Das bull-baiting wurde ganz nach englischem Vorbild organisiert, mit dem Bullen an einem langen Seil und Hunden, die von vorne angriffen, den Bullen möglichst an der Nase packten und versuchten, ihn zu Boden zu bringen. 1964 wurde von der FCI ein Rassestandard für den PM anerkannt, der einen kleineren, gestauchten, sehr bulldogartigen Hund beschreibt, was dem ursprünglich größeren PM nicht entspricht. In neuester Zeit erlebt der PM in dieser neuen Gestalt eine gewisse Blüte, man interessiert wieder für die Rasse in ihrem Mutterland.

So erfreulich das ist, so negativ wirkt sich aus, daß die Kynologen, die sich dem PM zugewandt haben, reine Theoretiker sind, die den Hund auf dem Reißbrett und nicht nach seiner früheren Gestalt und besonders nach seinem früheren Wesen wieder erschaffen haben. Offenbar gelingt es diesen Leuten nicht, den Unterschied zwischen der sehr kampftriebstarken Bulldogge früherer Zeiten und der heutigen Witzfigur zu sehen. Die heutige Bulldogge ist eine Verhöhnung sämtlicher Prinzipien gesunder Hundezucht; sie hat alle Fehler, die ein Hund nur haben kann, alle genetischen Mängel, die man sich in anderen Rassen bemüht, herauszuzüchten. Ihr Vorfahr hatte diese skurrilen Züge nicht, es war ein gesunder, leistungsfähiger Hund mit bestem, belastbaren Wesen. Einkreuzungen der modernen Bulldogge in irgendeine Rasse bedeutet eine Menge Probleme im Wesen und noch mehr in der Gesundheit.

Dazu ein Beispiel: ich korrespondierte früher mit dem Vater der Rasse Fila de Sâo Miguel, einem Portugiesen von den Azoren. Wir sprachen auch über den Fila da Terceira, einer praktisch ausgestorbenen Rasse von der Insel Terceira auf den Azoren (siehe auch unten). Der Fila da Terceira hatte ebenfalls eine Menge Bulldogblut, oft auch dessen Knickrute. Bulldoggen und andere brachyzephale Hunde neigen zu diesem genetischen Mangel, der manchmal auch als doppelte Knickrute auftritt und in keiner Weise erwünscht ist. Amaral schrieb mir nun, daß der alte überlieferte Fila da Terceira oft eine solche Rute besaß, und er nun den heutigen Bulldog einkreuzen wolle, um mit dessen Hilfe die Knickrute beim Fila da Terceira wieder zu verankern!

Die heutigen PM sind leider auch im Wesen von der Bulldogge neuerer Art negativ beeinflußt. Die heutige Bulldogge hat nicht nur physisch keine Kampfhundeeigenschaften mehr, weil sie im Sommer keine 200 m weit laufen kann, ohne tot umzufallen. Sie ist auch psychisch eher eine Art lieber, kurzatmiger, schnaufender Teddybär, so richtig knuddelig und ein bißchen blöd, als ein ernstzunehmender, harter, kampftriebstarker Hund. Genau die Entwicklung, die wir auch vom Bullterrier aus Schönheitszucht her kennen, die Entwicklung zum schlappen, fetten, kranken Knuddelbär, ist bei der Bulldogge noch viel weiter gediehen. So entsprechen auch die modernen PM dieses Typs nicht mehr dem Alano von einst. Bisher haben wir kaum Exemplare der Rasse gesehen, die man züchterisch verwenden könnte.

Wie schon am Beispiel PC geschildert, sind die Anhänger des PM ausgeprägte Nationalisten, die den Ca de Bou als autochthonen Hund der Balearen sehen, und vom Alano nichts wissen wollen. Neben dem beliebten Treibhund Ca de Bestiar ist er für sie der Balearenhund, dort seit jeher heimisch, nie mit irgendetwas vermischt, ganz unabhängig von festländischen Rassen. Ein Jammer, daß die Kynologie außer immanenten Problemen auch noch solche von außen herangetragenen Probleme meistern muß.

 

 B. In Portugal                            

a. Der Rafeiro d' Alentejo (RA) 

Im Süden Portugals ist der RA als Gehilfe in der Rinderzucht nicht wegzudenken. Es handelt sich um einen dem Riesenschnauzer in der Größe vergleichbaren, heute oft rauhaarigen Treibhund mit leichtem Alano-Einschlag. Rinder treiben und Stiere bändigen sind verwandte Aufgaben. Inwiefern hier gelegentlich alanoähnliche Typen herausmendeln, ist noch zuwenig bekannt. Im Augenblick stellt der RA den einzigen entfernteren Alano-Sohn auf dem portugiesischen Festland dar. Alle anderen sind nur noch auf den Atlantikinseln zu finden. Hier ist noch field-work, echte Pionierarbeit zu leisten.

b. Der Fila da Terceira (FT)

Die Insel Terceira gehört zum Archipel der Azoren, die bei der Überquerung des Atlantik, wie schon ausführlich am Beispiel des PC geschildert, eine bedeutende Rolle spielten. Der spanische oder portugiesische Alano machte hier Station und hinterließ wieder deutlich seine Spuren. Dazu kommt, daß die Azoren lange Zeit englisches Einflußgebiet waren, und die Engländer den Bulldog auch hierher mitbrachten. Der FT ist heute praktisch ausgestorben, jedoch besitzen wir in der Literatur der früheren Reisebeschreibungen genügend Material über ihn. Danach war der FT eher ein untersetzter, bulldogähnlicher Typ für Rinder- und Hundekämpfe, nicht der Typ alaunt de venerie, denn für die Jagd bestand auf der Insel keine Verwendungsmöglichkeit.

Die heutigen Versuche, die Rasse wiederzugewinnen, sind erstens durch die Einkreuzung des heutigen Bulldogs gefährdet, zum zweiten wieder durch die nationalistische Komponente. Für unsere Zwecke der Rückgewinnung des Alano wird der FT kaum eine größere Rolle spielen, allerdings sind wir auch hier noch nicht soweit, daß wir das Material gesichtet und im Griff hätten. Auch hier ist noch Platz für kynologische Pionierarbeit.

 c. Der Fila de Sâo Miguel (FSM)

Amaral gebührt der Dank für seine Arbeit um diese fast unbekannte Rasse, die heute recht homogen gezüchtet wird und vor ihrer Anerkennung durch die FCI steht. Sâo Miguel ist eine weitere Azoreninsel, auf der der Alano seine Spuren hinterließ. Im Falle des FSM waren es nicht die Bulldoggen, sondern heimische Schäfer- und Treibhunde ähnlich dem Majorero auf den Kanaren, die sich mit dem Alano mischten und eine ganz merkwürdige, mittelgroße Rasse entstehen ließen, die in etwa gleich weit vom Alano wie von den Treibhunden entfernt ist. Das halblange Fell, der mäßig spitze Kopf, das einerseits durchaus aggressive, aber wieder nicht sehr kampftriebstarke Wesen zeigen einen perfekten Mischling, von dem die Zucht des Alano wohl nur wenig profitieren dürfte. Die ihm zugrundeliegenden Treibhunde dürfen wir wie beim Majorero als verdünnte Mastines ansehen, aber sagen Sie das um Gottes willen keinem Kanaren, für ihn ist der Majorero ein Heiligtum. Ob das auf den Azoren auch so schlimm ist, weiß ich nicht....

Am FSM kann man sehr gut auch die Verdünnung des Alano-Erbes sehen. In Ermangelung von Hundekämpfen und starkem Wild blieben nur die Kühe. Der FSM aber ist heute kein Packer mehr, sondern nur noch Treiber. Der Funktionsverlust hat einen neuen Hund geschaffen.

 

 C. In Italien                                

Das Wort Alano bezeichnete ursprünglich im Italienischen einen doggenartigen, gefährlichen Hund. Das war schon so, als es noch gar keine Deutschen Doggen gab. Heute wird diese Rasse Alano genannt, genauer gesagt Alano tedesco. Neben dem Überbegriff Alano gab es dann regional andere Namen, wie Mastino oder Cane Corso, auch Cane rustico.

a. Der Cane Corso (CC)

Die Herkunft dieser Bezeichnung ruht im Dunkeln. Denkbar wäre eine Ableitung von Korsika, obwohl die Rasse dort eher weniger verbreitet ist als anderswo in Süditalien. Ebenfalls vorgeschlagen wird die Herkunft von "Korsar", wofür die Tatsache spräche, daß diese Hunde sehr häufig auch auf Schiffen und Fischkuttern anzutreffen waren, die sie bewachten und verteidigten.

Der CC ist überall in Süditalien anzutreffen, besonders aber in Puglia, Molise und der Campagna, dem Hinterland von Neapel. Auch auf Sizilien findet man ihn. In Puglia sind es wieder die Kühe, diesmal die dortigen nicht ungefährlichen Langhornrassen und die Wasserbüffel. Daneben gilt er als Wachhund für die apulischen Maserias, die großen einzeln gelegenen Bauernhöfe. Neben dem Mastino in seiner leichteren Form wird der CC sehr erfolgreich in den Hundekämpfen eingesetzt, die mit der Pit Bull-Welle ins Land schwappen. Einige haben sich zu richtigen Pit Bull-Killern entwickelt und stehen bei der Mafia, bzw. Camorra hoch im Kurs.

Jedermann weiß, daß es in Italien einen starken Gegensatz zwischen dem industriellen Norden und dem eher landwirtschaftlichen Süden gibt. Der unterentwickelte Süden, der Mezzogiorno, ähnelt in vielem mehr Spanien als dem italienischen Norden. Die Landschaft, die Hitze, die Landwirtschaft, die tiefe Religiosität, die Ansichten von Tod, Ehre und Blutrache sind ähnlich. Tatsächlich unterstand Neapel, Sizilien und ganz Süditalien, nach der mit Spanien gemeinsamen arabischen Zeit, von 1442 bis 1773 der spanischen Herrschaft. Der Kulturaustausch fand eher mit Spanien als mit dem Norden statt.

Der CC ähnelt seinem Urvater Alano fast so sehr wie der PC. In Form, Größe, Gewicht und Wesen sind diese Hunde des Mezzogiorno sehr alanoähnlich, das dortige Material ist durchaus für uns brauchbar. Zwar sind auch hier die idiotische und für die Funktion und die Gesundheit der Rasen schädliche Show-Kynologie und die Zucht nur auf morphologische Ähnlichkeit im Vormarsch, aber dennoch findet man auch noch ursprüngliche Tiere im Süden. Viel Material wurde in den Norden gebracht, wo z.T. Großzüchter ohne Konzept die Hunde produzieren und in der internationalen Kynologie vertreten. Dabei wurde auch erstaunlich schnell eine sehr einheitliche Morphologie erzielt, was aber nicht alleiniges Zuchtziel sein kann. Wie schon in Spanien zur Genüge bekannt, wird die einheimische Rasse des CC geringgeschätzt, während die teilweise qualitativ sehr miesen Pit Bull-Importe aus den Staaten hochangesehen sind. Es war uns ein Vergnügen, die Pit-Brut im Dreieck springen zu lassen und den Italienern die Augen zu öffnen, was sie von so einem echten amerikanischen Überhund zu halten hatten. Meine Frage: " Warum Buick und Pontiac, wo ihr hier doch Alfa und Ferrari habt" stieß danach auf Verständnis. - Der neueste Gag ist übrigens der American Bulldog, gegenüber dem der Pit Bull ja noch Gold ist; " a hundred pounds of sheer man stopping power" - und wie die Wesenskrüppel liefen!

b. Der Mastino Napoletano (MAN)

Ich hoffe, wenigstens eine oder zwei Wochen die Veröffentlichung dieses Artikels zu überleben, bevor die Mastino-Gang mich aufsucht und niedermetzelt, wenn ich ihre Rasse hier mit einbeziehe. Der MAN ist ja der altrömische Kampfhund, der einzigartige Kampfpanzer der Antike, der jeden Tag mindestens 8 kg rohes, bluttriefendes Fleisch frißt, und der, hätte Oetker ihn gehabt, seine Entführung verhindert hätte. Demgegenüber steht die Häme, mit der Staffordleute auf die Krankheiten, die Schlaffheit, die Leistungsunfähigkeit, etc, des MAN hinweisen.

Und keiner von ihnen hat recht. Rücken wir die Dinge gerade. Der MAN ist eine Variante des CC, beschränkt lediglich auf die Gegend von Neapel. Er ist die regionale Abart einer in ganz Süditalien verbreiteten Rasse und existiert in seiner Heimat durchaus auch als drahtiger, funktioneller, sehr ernstzunehmender Hund von ca. 60 kg, der mit den übertrieben molossoiden Ausstellungs- und Exporttieren nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Ich habe solche Bilder schon veröffentlicht und dabei bedauert, daß man nicht mehr solcher großartigen Exemplare bei uns in Deutschland bewundern kann. Den Staffordleuten sei es gesagt, daß so einer mit einem ihrer nervösen, nervigen, "triebigen", dünnknochigen Hüpfer sehr schnell aufräumen würde. Sie würden staunen.

Und warum sehen wir solche alanoähnlichen MAN bei uns nicht? Weil wir offenbar zu viele Trottel unter unseren Kynologen haben, die Kynologie als die Wissenschaft der Übertreibung, der Übertypisierung verstehen. So wie die heutige Bulldogge der früheren nicht das Wasser reichen kann, so wie der heutige Ausstellungsbullterrier keinen Vergleich mit dem leistungsfähigen Bully der 30er Jahre oder auch mit einem unserer Leistungshunde zuläßt, so wenig läßt sich ein MAN der heutigen Ausstellungen mit diesen knackigen MAN aus dem Ursprungsland in einem Atemzug nennen.

Und diesen trockeneren, gleichwohl substanzvollen Mastino meine ich, wenn ich hier vom MAN rede. Heute werden solche Exemplare wieder in die übergeordnete Rasse CC eingekreuzt, sicher kein Fehler, denn der CC und der MAN haben den gleichen Ursprung, den Alano.

Lassen wir den MAN-Fans gerne die Möglichkeit, daß ihre angebetete Rasse auch Blut der alten Molosser aus dem Osten trägt, ist Italien ja auch der östlichste Vorposten des Alanos. Vielleicht verschonen sie uns dann mit ihrem Zorn und ihrer Rache.... 

 D. In Südfrankreich                   

a. Die Bordeauxdogge (BX) 

Der Alaunt des Gaston Phoebus existiert in Aquitanien nicht mehr. Sein Nachfolger ist hier die Bordeauxdogge. Wenn wir uns frühere Bilder dieser Rasse anschauen, erkennen wie längere Fänge und weniger gebogene Kiefernäste, also einen einen Hund, der durchaus dem Alano sehr ähnlich sieht. Damals wurden die BX auch noch sehr lange in ihrer Funktion als Packer am Bär und am Stier verwendet, die letzten Einsätze von BX sollen angeblich Anfang diesen Jahrhunderts liegen. Der alte Caporal hätte das noch geschafft, auch noch BX aus den 30er Jahren. Man denke nur an Fotos des alten Sam, der mit Leichtigkeit eine 3 m-Steilwand bezwingt! Bei der BX ging die Entwicklung vom schwereren Typ Alano, vom Packer und Metzgerhund aus, weniger vom Alano für die Jagd.

Bekannterweise wächst in der Gegend von Bordeaux ein hervorragender Rotwein. Die Existenz der dortigen Winzer war im vorigen Jahrhundert durch die Reblaus stark bedroht, und eine sehr große Zahl von Winzern wanderte ins benachbarte spanische Ebrotal aus, wo sie in der oberen Rioja wieder Fuß faßten. Und gerade die Rioja war im vorigen Jahrhundert noch besonders berühmt wegen ihrer schweren spanischen Bulldogs, die sogar nach England importiert wurden.

Die heutige BX ist eine ähnliche Karikatur ihrer Ursprungsrasse wie die heutige Bulldogge oder der heutige MAN auf unseren Ausstellungen. Sie ist krank (durchschnittliche Lebenserwartung kaum drei Jahre), feige und zu jeder Leistung unfähig. Eine absolute Ausnahme von dieser Regel ist der Rüde Bull de I'Etang de Mirloup, wie wir schon in den BV-Nachrichten berichteten. Seine SchH I, seine Ausdauerprüfung und sein hervorragendes Wesen sind so atypisch für die Rasse wie ein MAN, der einen Pit Bull frühstückt - immerhin gibt es sie noch! Viel typischer aber für die Rasse ist das, was heute der hier zuständige Club macht: eine HD-kranke, fast blinde, völlig bewegungsunfähige, feige Hündin gewinnt dank gutem "handling" alle Titel. Und die BX-Gruppe im rassebetreuenden Molosserclub veranstaltet eine Ausdauerprüfung für diese drolligen, schwerfälligen Kälber, bei der 10 km in drei Stunden zu  bewältigen sind, natürlich unter tierärztlicher Aufsicht und Überwachung, daß sich keiner übernimmt!

Den Weg der Bulldoggisierung, auf dem sich ja auch der Bullterrier befindet, ist bei der BX schon so weit fortgeschritten, daß er irreversibel erscheint. Es besteht deshalb auch kaum Hoffnung, daß das eine oder andere Exemplar bei der Zucht des Alano helfen könnte. Schade drum, hier scheint der Zug schon abgefahren zu sein.

b. Der Dogue du Midi (DM)

Auf der Aquitanien gegenüberliegenden Seite Südfrankreichs, im Languedoc und in der Provence hat es noch vor nicht allzulanger Zeit eine kleine, bulldogähnliche Doggenart gegeben, die heute ausgestorben ist; jedenfalls liegen uns keine anderslautenden Nachrichten vor. Bei Hauck (Die Doggenartigen) existiert sie noch. Anscheinend handelt es sich um einen Packertyp oder auch einen Hund für Hundekämpfe mit hohem Blutanteil des Bulldogs. Auch hier scheint genetisch hochinteressantes Material ausgelöscht zu sein. 

 E. In Übersee                             

Wie wir bereits hörten, wurde der Alano von den Konquistadoren mit auf die Reise in die neue Welt genommen. Teile blieben auf den Inseln im Atlantik zurück. Und was wurde aus den übrigen, aus den Brüdern und Schwestern von Becerillo und Leoncillo? Alle wurden sicher nicht von Indianern getötet.

a. Der Dogo Argentino (DA)

Im Norden Argentiniens liegt die Stadt Córdoba, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Stadt in Andalusien. In Córdoba entwickelte sich aus dem spanischen Alano der Conquistadoren eine Variante, die für den dort beliebten Hundekampf verwendet wurde und auch offenbar recht gleichmäßig im Typ gezüchtet wurde. Dieser perro de pelea cordobés, Cordobeser Kampfhund, war praktisch ein reinblütiger Alano, kam in allen Farben vor und war wegen seines Temperamentes und seines Kampftriebs in ganz Argentinien bekannt.

Die einflußreiche Familie Martínez war seit jeher der Jagd sehr zugetan. Argentinien hat stellenweise ein sehr europäisch anmutendes Klima, weshalb die dort eingeführten Sauen und Hirsche hervorragend gediehen, wie auch die Jagd auf diese Wildarten. Dr. Nores Matínez und weitere Mitglieder der Familie versuchten nun in den 20er Jahren, als Argentinien stark unter englischem Einfluß stand, eine Hunderasse zu züchten, die als Jagdhunde für dieses wehrhafte Wild und als Bekämpfer der die Schafherden zehntenden Pumas gebraucht werden konnten. Seine Wahl fiel auf die bekannt kampffrohe Rasse des Perro de Pelea Cordobés, dem aber die Naseneigenschaften noch angezüchtet werden mußten. Martínez entschied sich für den englischen Pointer.

Außerdem gefiel ihm die Farbe Weiß, angeblich wegen der guten Unterscheidungsmöglichkeiten vom Wildkörper, wohl aber auch wegen der Ähnlichkeit mit der Hautfarbe der weißen Herrenbevölkerung im Unterschied zu den mißachteten Indianern. Das kennen wir ja auch schon von der Rassegeschichte des Bullterriers her, wo es bis 1952 dauerte, bis man von diesem Unsinnn abließ und die farbigen Bullterrier zur Zucht freigab. Diese weiße Farbe lieferte der Bullterrier, ebenfalls ein englischer Hund.

Im weiteren gibt Martínez nun vor, noch ca. 20 andere Rassen mitverwendet zu haben, was uns wenig wahrscheinlich erscheint. Denn aus so vielen Rassen innerhalb von nur zwei Jahrzehnten eine neue homogen zu züchten, wie es Martínez gelang, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Hier wollte sich jemand wohl ein bißchen als kynologischer Wunderknabe gesehen wissen. Egal, Martínez gelang es, einen für seine Zwecke sehr brauchbaren Jagdhund für wehrhaftes Wild zu züchten.

Hatte der Alano-Sohn Perro de Pelea Cordobés die alte Alano-Funktion des Hundekampfes ausgeübt, so war der DA nun wieder ein echter Jagdalano. Ihre Eignung haben die Dogos häufig bewiesen, ihre Eigenschaften als schnelle Jäger und Packer mit einer respektablen, wenngleich nicht pointerähnlichen Nasenleistung sind anerkannt, und inzwischen werden sie von den Italienern wieder zwecks Verwendung zum Hundekampf nach Italien eingeführt, während sie in Spanien als Packer in den Saumeuten, den Rehalas, den anderen Alano-Söhnen, wie dem PC, Konkurrenz machen. So groß und doch so klein ist die Alano-Welt. Die Italien connection kommt sicher auch daher, daß Argentinien eine Menge italienischer Auswanderer zählt, prozentual mehr als die Vereinigten Staaten.

Der DA darf auch heute nur weiß sein, evtl. mit farbign Kopfabzeichen. Und das, obwohl man weiß, daß ausschließliche Weiß x Weiß-Verpaarungen nach einigen Generationen Taubheit ergeben. Das war ja auch der Grund dafür gewesen, daß die Engländer sich endlich doch von der Weißzucht des Bullterriers abkuppelten. Daß die kynologisch eher unbedeutenden Argentinier damit nicht Schluß machen, erstaunt dabei weniger, als daß fortschrittliche europäische Kynologen sich das auf die Dauer gefallen lassen.... Der Alano war auch manchmal weiß, wenn auch selten reinweiß, der Perro de Pelea Cordobés sicher selten. Aber lassen wir den Argentiniern ihr genetisch bedenkliches Weiß.

Viel bedenklicher ist die Wesensentwicklung des DA. Gottlob ist er noch nicht so weit auf der Straße der Bulldoggisierung vorangekommen wie manch andere schon besprochene Rasse. Er ist nach wie vor funktionell gebaut. Aber der Funktionsmangel - Pumas werden auch in Argentinien immer seltener, und Saujagden mit Hunden wohl auch - hat den DA auf den Pfad der Ausstellungen gedrängt, und die haben schon immer die Rassen kaputtgemacht. So ergeht es auch dem DA, der z. B. in Buenos Aires, wie der österreichische DA-Pabst Dr. Schimpf freimütig gesteht, fast nur noch auf Schönheit gezüchtet wird. Es mag vereinzelt noch Exemplare mit bestem Kampftrieb und gutem Wesen geben, vermutlich auch eher in der Gegend um Córdoba, wo man nach wie vor Hundekämpfe bestreitet, aber häufig sind diese Hunde nicht mehr, wie man auch an den hier in Europa gezüchteten Hunden sehen kann. Verzichten wir einmal auf die Farbe und die pointerartige Himmelfahrtsnase, zeigt sich der DA noch sehr alanoähnlich und damit als mögliches Reservoir für die Zucht des Alano, nachdem der alte Cordobeser Kampfhund, den Martínez noch kannte, ausgestorben sein dürfte. Genauere Recherchen haben noch nicht stattgefunden, auch nicht in puncto Import von DA aus dem Raum Córdoba, die auf den Ausstellungen immer seltener zu finden sind. 

b. Der Fila Brasileiro (FB)

Die Anfänge dieser Rasse liegen im Dunkeln, sicher ist der Alano einer ihrer Vorfahren. Der Fila präsentierte sich von Anfang an als Molosser mit starkem hubertoiden Einschlag, denn auch hier war der Gedanke des jagdlichen Einsatzes grundlegend. War es beim DA Sau und Puma, so ist es beim Fila die Verwendung als Wachhund auf einzelliegenden Farmen im Busch gegen menschliches Gesindel und die Jagd auf den Jaguar. Man stellte sich nicht etwa vor, daß der FB den Jaguar angreifen oder gar töten sollte, wie das der DA beim weit kleineren Puma macht. Es geht hier vielmehr um die Unterstützung des Jägers durch gute Nasenarbeit beim Finden, evtl. auch das Packen des schwerverletzten Tieres nach dem Schuß, oder die Nachsuche nach der verwundeten Großkatze.

Als mögliche Einkreuzung kommt die mit dem Bloodhound in Frage, evtl. auch Bloodhound-Nachkommen wie die amerikanischen Coonhounds. Gesichert ist das nicht, wie etwa die Arbeit von Dr. Martínez beim DA.

Der FB war ursprünglich nicht so groß wie heute; auch da hat der Weg zum Kolossalem, zum Molossoiden etwas mit ähnlichen Tendenzen beim MAN, etc. zu tun. Die sogenannten Farmfilas sind wesentlich kleiner, im Wesen auch fester. Durch eine mißverstandene Idee vom wehrhaften Wachhund schrieb die brasilianische Kynologie dem FB einen Standard, in dem der Hund ohne Grund mißtrauisch und fremdenfeindlich sein muß, sich von Menschen auch nicht anfassen lassen darf - so wie sich der Laie halt einen "scharfen Hund" vorstellt. Daß ein Hund nach diesem Ideal schlicht wesensschwach ist, wollen die brasilianischen Kynologen nicht einsehen. Vom Alano-Wesen ist der FB damit meilenweit entfernt, aber (vgl. MAN) eben nur der in der offiziellen Kynologie bekannte FB. Daneben gibt es noch die Farmfilas, die sich heute aber bei keiner Ausstellung mehr durchsetzen können und deshalb in der Zucht immer weniger Bedeutung haben. Die Wachhundeeigenschaften des FB sind dagegen wieder sehr gut entwickelt.

Im Falle des FB ist, ausgehend vom Alano, durch Einkreuzung hubertoider Rassen eine Rasse entstanden, die eher dem Jagdalano als dem Packer an Sau und Stier im Sinne des Bulldog entspricht. Die Nasenleistung wurde nicht durch Pointer (Sucher mit hoher Nase), sondern durch den Bloodhound (tiefe Nase) erreicht, das Wesen leider arg geschwächt. Câo de Fila heißt ja auch auf portugiesisch eher "Hatzrüde" als Bullenbeißer (alâo).

Wesensmäßig gute Farmfilas wären als brauchbares Material für die Zucht des Alano durchaus vorstellbar, sollte es sie noch geben. Ebensowenig wie sich beim DA irgendjemand für den Dogo aus Córdoba interessiert, so wenige suchen noch intensiv nach dem Farmfila. Die offizielle Kynologie arbeitet hier wieder unseren Interessen völlig entgegen.

c. Die Kuba-Dogge (KD)

Noch Hauck berichtet von wilden, isabellfarbenen Doggen, mit denen man auf Kuba Sklaven in Schach hielt, offenbar keine freundlichen Teddybären. Die direkte Abstammung vom Alano, dem sie bis auf die einheitliche Farbe wohl sehr glichen,  scheint evident, auch die Verwendung in der Art der Alanos, wie die Spanier sie bei der Eroberung der Kolonien einsetzten. Auch hier scheint der Funktionsverlust (Ende der Sklavenhaltung) ursächlich für den Untergang der Rasse zu sein. Inwiefern noch Reste dieser Rasse auf Cuba weiterexistieren, ist nicht bekannt und nach dem derzeitigen Stand der politischen Entwicklung auch sehr schwierig zu recherchieren.

Verbürgt ist bei dieser Rasse auch der Einsatz als Suchhund entflohener Skaven. Zu diesem Thema sei ein kurzer Exkurs gestattet, weil es doch einige unserer Rassen tangiert. Man muß hier unterscheiden zwischen Hunden, die die Sklaven nur aufspüren sollten und denen, die die sie auch packen sollten.

Die in den Südstaaten der USA verwendeten Coonhounds gehören eindeutig zur ersten Gruppe, waren also für die Sklaven vollkommen ungefährlich. Dafür hatten sie eine exzellente Nase, die sie die Sklaven selbst dann finden ließ, wenn die einen Bach entlang gewatet waren, usw. Die Kuba-Doggen und die FB waren wohl mehr von der zweiten Gruppe. Vielleicht war da die Nase nicht so ganz gut, aber wehe, wenn sie den Sklaven erwischten, der hatte dann nichts zu lachen. Der Begriff Bloodhound - Bluthund bezieht sich in diesem Zusammenhang weniger auf die blutrünstige Art und Weise der Hunde als auf die Tatsache, daß sie auf der Jagd auf der Blutfährte (Schweißfährte) des verletzten Stückes arbeiten und das Blut (Schweiß) der verletzten Stücke für sie fährtenleitend ist. Im Regelfalle sind gerade Bluthunde und ihre Abkömmlinge äußerst sanft und für Menschen absolut ungefährlich.

Sicherlich hat der Alano seine Spuren noch bei weiteren Rassen hinterlassen, aber die wichtigsten darunter sind sicher in dieser kurzen Aufstellung vertreten. Es wird nicht nur eine ganze Rassenfamilie sichtbar, sondern auch die Tatsache, daß wir über einige noch viel zu wenig wissen. Erst wenn wir sie alle genau erforscht und das Material gesichtet haben, können wir auf den erfolgreichen Wiederaufbau einer der ältesten und traditionsreichsten Rassen gehen. 

  III  Heutige Bemühungen um die Rasse            

a. Die FCI-Anerkennung 

Die Féderation Cynologique internationale (FCI) ist die höchste internationale kynologische Organisation, der als Mitglieder wieder die nationalen Dachorganisationen angehören, wie der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) oder der Österreichische Kynologenverband (ÖKV) oder die Real Sociedad Central para el Fomento de las Razas Caninas en España, ein bißchen kürzer "Canina" genannt. Eine neue Rasse kann der FCI nur von einem Ursprungsland gemeldet werden, d. h. vom nationalen kynologischen Dachverband, nicht von einer Einzelperson oder einem Club. Dazu müssen bestimmte Unterlagen eingereicht werden, u. a. der Standard. Der Rassestandard beschreibt sozusagen das Ideal der Rasse im Wesen und besonders im Formwert, der Morphologie. Ca. 340 Rassen sind mittlerweile von der FCI anerkannt. Ist das Ursprungsland einer Rasse kynologisch nicht organisiert, dann kann ein FCI-Mitgliedsland stellvertretend die Rasse anmelden, wie z. B. die Engländer es beim türkischen Karabasch gemacht haben.

Der Alano war stets eine multinationale Rasse, von woher sich Schwierigkeiten bei der FCI-Anmeldung ergeben würden. Gehen wir vom Hauptverbreitungsland Spanien aus, dann sieht es erst recht düster aus. Die spanischen Kynologen sind schlimmer als ein Haufen Flöhe, stets zerstritten, stets bereit, sich zu bekämpfen, selten zu konstruktiver Mitarbeit zu bewegen. Den PC git es schon seit etlicher Zeit als Rasse, aber bis heute ist es nicht gelungen, einen für alle akzeptablen Standard aufzustellen, geschweige denn, die Rasse zur vorläufigen Anerkennung der FCI zu melden. Beim Alano wäre das noch viel schlimmer. Letzten Endes wäre das auch nur ein fauler Kompromiß, denn der Alano ist keine nur spanische Rasse.

Die spanischen Kynologen sind außerdem die denkbar schlechtesten Fürsprecher für spanische Rassen. Lieber züchten sie eine tolle und bekannte deutsche oder englische Rasse, die haben kynologisch mehr Flair als die von Problemen geschüttelten spanischen Rassen, auf die keiner achtet. Nicht ausrottbar ist auch in Spanien die Ansicht, daß es einheimischen Rassen gut tut, wenn man ähnliche aus Deutschland oder England in sie einzüchtet. Einer der meistgezeigten PC hat eine Bullmastiff-Hündin als Mutter, was jeder weiß, aber keinen stört. Wenn solche Leute den Alano pushen sollen, dann wird das wenig Erfolg haben.

Eigentlich wäre es richtig, den PC, den PM und den CC im Alano aufgehen zu lassen. Aber das ist ein hoffnungsloses Unterfangen, stehen doch die spanischen Insulaner wie die Süditaliener auf ihre nationalen Rassen. Gerade auf diesen Punkt ist ja die FCI durch den Vorsitzenden ihrer Standardkommission, Dr. Paschoud, aufmerksam gemacht worden. Der warnte davor, dieselbe Rasse je nach Nation zwei- oder dreimal anzuerkennen, weil das außer Befriedigung nationaler Gefühle nur einen zu kleinen Gen-Pool für die betreffende Rasse schafft, der zu Inzucht und in der Folge zu Inzuchtdepressionen führen muß. Und er nennt eine ganze Menge Rassen, für die trotz morphologischer Übereinstimmung zwei nationale Standards bestehen. Insofern wäre unser Anliegen innerhalb der FCI hypermodern. Auch Prof. Schleger meinte in seiner direkten Art schon öfter, daß die 340 Rassen der FCI auf 70 zusammengeschmolzen gehörten.

Es ist deshalb realistischer, den Wiederaufbau des Alano und eine evtl. spätere Anerkennung neben den Söhnen her zu betreiben, d. h. den Süditalienern ihren CC, den Leuten auf Mallorca ihren PM und den Guanchen ihren PC zu lassen. Sein nationalistisches Steckenpferd wird kaum einer aufgeben, und die FCI ist zu unbeweglich, als daß sie nach Erkennen der Sachlage diese Rassenzusammenlegung durchsetzen würde.

b. Wiederaufbau der Rasse 

Eine Rasse wie den Alano, die nie als Rasse im neuzeitlichen Sinne der Kynologie existiert hat, jedoch lebensfähige Nachfolgerassen hinterlassen hat, kann man aufbauen entweder

1.

aus den Söhnen der Nachfolgerassen

oder

2.

nach dem Phänotyp, nach der äußeren Erscheinung

  

Beim ersten Verfahren würde man aus den Nachfolgerassen diejenigen Exemplare heranziehen, die in Wesen und Morphologie dem Ziel Alano - das man sich erst einmal genau klarmachen muß - am nächsten kommen. Voraussetzung ist hier, daß die Nachfolgerassen nicht zahlenmäßig zu gering sind, und daß sie der Vaterrasse zumindest einigermaßen ähnlich sind. Manolo Curtó, der sich um den PC so verdient gemacht hat, tendierte angesichts des Scherbenhaufens von in den PC eingekreuzten Rassen sogar zur zweiten Variante, denn die Zucht über noch vorhandenes Material oder Nachfolgerassen erbt natürlich auch die Probleme dieser Rassen. Er hätte am liebsten einen Pit mit breitem Schädel genommen, solange die Fang-Schädel-Verhältnisse gepaßt hätten, oder etwas ähnliches.

Das zweite Verfahren ist deshalb leichter, weil man keine Erbsünden mitschleppen muß. Man kann ohne Rücksicht auf Herkunft der Rasse sie aus Hunden zusammenbauen, die rein vom Äußeren dem angestrebten Ziel ähneln. Dazu braucht man nicht bis nach Belutschistan zu reisen, um den einzigen Überlebenden der Rasse X zu finden.

Der Alano hat so viele verwendbare Nachfolgerassen übrig gelassen, daß es ein Frevel wäre, würde man nur nach dem Phänoptyp die Rasse wieder zusammenbauen. Hat man vor, den barocken Hatzrüden oder den altdeutschen Bärenhund wieder zu züchten, dann hat man keine Wahl, denn diese Rassen sind verschollen, ohne jemals existent gewesen zu sein, jedenfalls in einem nachvollziebaren Sinne. Sie haben deshalb auch keine Nachfolger, keine Söhne hinterlassen. Dann bleibt einem nur der Weg zur Retortenrasse. Das ist beim Alano nicht nötig. Er ist geschichtlich einwandfrei belegbar, war bis vor kurzem noch existent und hat viele Söhne gehabt, die zum Teil noch sehr lebendig sind.

Einer Euphorie möchte ich noch das Licht ausblasen, denn diese Frage kommt jetzt bestimmt. Wenn die Engländer sich des Karabasch annehmen, warum sollen wir Deutschen uns dann nicht des Alanos annehmen und ihn über unseren Dachverband bei der FCI anmelden? Nun, einmal gibt es ja in Spanien eine kynologische Dachorganisation, so daß der Vergleich mit der Türkei hinkt. Zum anderen ist gerade der bornierte, kleinkarierte deutsche Dachverband nicht geeignet. Ein Verband, dessen Geschäftsführer bei der Einführung des Mastín Español, FCI-anerkannt, in Deutschland nicht mitziehen mochte, weil es ja schon 160 Rassen in Deutschland gäbe, die alle betreut werden müßten und sich vom gesamten Publikum des Molosser-Vereins deshalb ausbuhen lassen mußte, ein solcher Verband ist wohl kaum zu Pionierarbeit in der Lage, noch dazu für eine Rasse, die sicherlich nicht deutschen Ursprungs ist.

c. Heutiger Stand der Rasse

Es gibt einen Club, der sich die Wiedergewinnung des Alano zum Ziel gesetzt hat. Er hat sehr wenige Mitglieder, die aber alle aus der praktischen kynologischen Arbeit kommen, die sehr tatkräftig sind, und im Augenblick über sehr vielversprechendes Material der Rassen PM, PC und CC verfügen. Der Alano-Club gibt eigene Ahnentafeln heraus, wird mit dem Bullterrier Verein über ein festes Kontingent an Seiten in den BV-Nachrichten verhandeln, da eine eigene Zeitung noch zu aufwendig wäre, ist dabei, eine Infrastruktur von Zuchtwarten, Ausbildungsberatung, Gesundheitstests etc., auszuarbeiten und wird in Kürze Werbematerial zum Thema Alano herausgeben. Gönner, Mäzene, Sponsoren, aber auch Mitglieder sind erwünscht, nur sollten sie vor der Anmeldung wissen, daß dieser Club sich der Arbeit verschrieben hat, nicht dem Palaver.

Der Alano-Club wird sich ähnlich dem BV an keine übergeordnete Dachorganisation anschließen, die seine Arbeit nur behindern würde. Wir werden uns bemühen, den Alano nach den Zuchtzielen Gesundheit, Wesen und standardgerechte Morphologie zu züchten und besonders die Ausbildung und Arbeit mit den Hunden zu fördern. Wir möchten mit diesen Hunden und dem Alano-Club bitte nicht am sehr erfolgreichen Bullterrier-Verein gemessen werden, sondern allenfalls an Vereinen, die ähnliche molossoide Rassen betreuen - denen werden wir in nichts nachstehen.

Das heute verfügbare Zuchtmaterial besteht aus etlichen PM-Exemplaren, die aber alle etwas leicht sind, wenn sie sich auch bereits durch gutes Wesen und Gesundheit auszeichnen. Das PC-Material soll noch in diesem Jahr durch Importe aus den Kanaren aufgefüllt werden. Sehr gutes italienisches Material an CC ist vorhanden. Hier stehen wir vor dem weiteren Ankauf hoffnungsvoller Hunde und haben überdies beste Verbindungen nach Apulien festigen können. Auch beim DA sind Überlegungen zum Import vorhanden, die sich in den nächsten Monaten konkretisieren werden.

Letzten Endes aber sind wir auch auf den Kunden, den Welpenkäufer angewiesen, auf die guten Plätze für unsere Welpen. Ein guter Nachwuchs, falsch platziert, ist für uns verloren. Und eine falsche Platzierung kann selbst dann vorliegen, wenn es dem Hund gut geht und er bestens betreut und gepflegt wird - allein schon deshalb, weil er nie der Zucht wieder zugeführt wird, weil er nie gezeigt, nie gearbeitet wird.

Wer also einen Welpen will, der soll sich auch einmal Gedanken darüber machen, was er persönlich für die Rasse tun kann. Und das ist gar nicht so wenig.

d. Überlegungen zu einem Rumpfstandard (Prototyp)

sind im Anhang diesem Artikel angeschlossen. Sie sind noch lange nicht abgeschlossen und bedürfen der Mitarbeit und konstruktiven Kritik aller Alano-Freunde. Für Anregungen sind wir immer dankbar.

Von R.Sewerin


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